Qualitätskontrolle im Straßenbau: Prüfungen je Schicht

Verdichtungskontrolle vor Ort mit dem LFWD

Eine Straße wird in Schichten gebaut, und jede Schicht verschwindet innerhalb weniger Tage unter der nächsten. Liegt der Asphalt erst, kann niemand mehr sehen, ob die untere Tragschicht verdichtet war oder ob in der Schüttung das freigegebene Material liegt. Die Qualitätskontrolle läuft deshalb parallel zum Bau: Baustoffe werden vor der Verwendung freigegeben, jede Lage wird geprüft, bevor sie überbaut wird, und vom Asphalt werden am Einbautag Proben genommen. Dieser Leitfaden zeigt, welche Prüfung zu welcher Schicht gehört, mit der jeweiligen Norm; Häufigkeit und Grenzwerte legt in jedem Projekt die Projektspezifikation fest.

Die Schichten und was jede leisten muss

Eine typische Asphaltbefestigung besteht von unten nach oben aus allen oder einigen der folgenden Schichten. Baustoffe und Dicken legt der Planer des Oberbaus fest; die Spezifikation übersetzt sie in messbare Anforderungen.

  • Untergrund oder Schüttung: der Boden, der den Oberbau trägt. Er muss gleichmäßig verdichtet, frei von weichen Stellen und so profiliert sein, dass Wasser abfließt; die Bemessung geht von seiner Tragfähigkeit aus.
  • Untere Tragschicht: eine Schicht aus ungebundener Gesteinskörnung, die die Last verteilt und den Untergrund schützt.
  • Tragschicht: höherwertiges gebrochenes Material, oft in einer Mischanlage hergestellt, unmittelbar unter dem Asphalt. Sie muss dicht, steif und höhengerecht hergestellt sein.
  • Asphalttragschicht und Binderschicht: die Asphaltschichten, die einen großen Teil der Last tragen; eine Asphalttragschicht wird vorgesehen, wenn die Bemessung sie verlangt.
  • Deckschicht: die Oberfläche. Neben Dicke und Verdichtung braucht sie eine Textur für die Griffigkeit und muss Wasser fernhalten.

Vor Baubeginn: Freigabe der Baustoffe

Eine Feldprüfung ist nur aussagekräftig, wenn das Material geeignet war und eine Laborreferenz hat. Vor dem Einbau wird aus jeder Bezugsquelle eine repräsentative Probe geprüft und der Bauüberwachung zur Freigabe vorgelegt:

  • Schütt- und Untergrundmaterial: Klassifizierung (Korngrößenverteilung und Atterberg-Grenzen), Proctorversuch für maximale Trockendichte und optimalen Wassergehalt sowie, wo gefordert, CBR und Quellung. Mehr dazu im Leitfaden Proctor-, CBR- und Wassergehaltsversuche.
  • Gesteinskörnung für untere Tragschicht und Tragschicht: Korngrößenverteilung, Los-Angeles-Koeffizient, Methylenblau-Wert, Kornform und Anteil gebrochener Körner, dazu ein Proctorversuch als Verdichtungsreferenz.
  • Asphalt: Die Mischgutrezeptur (JMF), vom Bauunternehmen oder der Mischanlage erstellt und von der Bauüberwachung freigegeben, legt für jedes Mischgut die Soll-Korngrößenverteilung und den Soll-Bindemittelgehalt fest. Die Gesteinskörnungen dafür werden ebenso geprüft, ergänzt um Rohdichte und Wasseraufnahme.

Anforderungen an Gesteinskörnungen werden häufig als Kategorien der Produktnormen TS EN 13242 (ungebundene und hydraulisch gebundene Gemische) und TS EN 13043 (Asphalt) formuliert; die Spezifikation wählt die Kategorie für jede Schicht. Ein Proctorergebnis gehört zu genau einem Material: Wechseln Entnahmestelle oder Abbauwand im Steinbruch, muss es erneuert werden.

Erdbaulagen: Abnahme vor der nächsten Lage

Jede Lage von Untergrund, Schüttung, unterer Tragschicht und Tragschicht wird auf ihrer eigenen Oberfläche abgenommen, bevor die nächste eingebaut wird:

  • Verdichtungsgrad mit dem Sandersatzverfahren: die Trockendichte in situ in Prozent der maximalen Proctor-Trockendichte desselben Materials, zusammen mit dessen Wassergehalt.
  • Evd (dynamischer Verformungsmodul) mit dem LWD: Wir verwenden ein Zorn ZFG 3.1 und prüfen nach ASTM E2835-21(2026). Es misst die Steifigkeit, nicht die Dichte, und liefert das Ergebnis vor Ort, sodass Schwachstellen gefunden werden, bevor sie überbaut sind. Ist ein Verdichtungsgrad gefordert, ergänzt es das Sandersatzverfahren, ersetzt es aber nicht.
  • DCP-Profil: der Eindringwiderstand über die Tiefe, der Schichtdicken und weiche Zonen im Untergrund zeigt. Die Korrelationen im Anhang von ASTM D6951/D6951M-18(2023) liefern nur einen geschätzten CBR-Wert, gültig für die Böden, aus denen sie abgeleitet wurden; sie ersetzen keinen CBR-Laborversuch. Siehe Baugrunduntersuchung und DCP.

Anzahl und Verteilung der Prüfpunkte sowie die Abnahmewerte ergeben sich aus der Spezifikation. Schweigt sie dazu, vereinbaren Sie vor Beginn der Erdarbeiten einen schriftlichen Prüfplan mit der Bauüberwachung, nicht erst nach dem ersten negativen Ergebnis.

Am Einbautag: Mischgutproben und Marshall-Referenz

Eine am Einbautag versäumte Probe kann nicht nachgeholt werden; die Probenahme wird daher mit dem Einbauprogramm geplant. Mischgutproben werden an der Mischanlage, vom Lkw oder am Fertiger entnommen. Daraus verdichtete Marshall-Probekörper liefern die Bezugsdichte für die Bohrkerne, wo die Spezifikation sie vorsieht. Bindemittelgehalt und Korngrößenverteilung der rückgewonnenen Gesteinskörnung werden mit den Toleranzen der Mischgutrezeptur verglichen.

Mischguttemperaturen und Walzprotokolle führt das Bauunternehmen, die Bauüberwachung kontrolliert sie. Es sind nicht unsere Prüfungen, aber sie erklären oft, warum Bohrkerndichten später niedrig ausfallen.

Nach dem Einbau: Bohrkerne und Oberflächentextur

Ist die Schicht vollständig abgekühlt, werden an den von der Spezifikation oder der Bauüberwachung festgelegten Stellen Bohrkerne durch die Asphaltschichten gebohrt. Wir bestimmen dann:

  • die Dicke jeder Schicht im Vergleich mit Solldicke und Toleranz;
  • die Raumdichte und den Verdichtungsgrad bezogen auf die vorgegebene Bezugsdichte;
  • Bindemittelgehalt und Korngrößenverteilung, wenn keine Mischgutprobe genommen wurde;
  • die Makrotexturtiefe der Deckschicht mit dem volumetrischen Verfahren (Sandfleckverfahren), wenn die Spezifikation eine Texturanforderung enthält.

Bohrkernentnahme und Verfüllen der Bohrlöcher beschreiben wir im Leitfaden Asphaltbohrkerne und Mischgutprüfung.

Welche Prüfung für welche Schicht: Übersicht

In jeder Zeile ergeben sich Prüfumfang und Abnahmegrenzwerte aus der Projektspezifikation.

Schicht und BauphasePrüfungen und NormenBezug der HäufigkeitLeistung
Schütt- und Untergrundmaterial, vor dem EinbauKorngrößenverteilung (TS EN ISO 17892-4:2016), Atterberg-Grenzen (TS EN ISO 17892-12:2018+A2:2022), Klassifizierung (TS EN ISO 14688-2:2018), Proctor (TS EN 13286-2:2013), CBR und Quellung (TS EN 13286-47:2021)Je Bezugsquelle; erneut bei WechselBodenlabor
Gesteinskörnung für Tragschichten und Asphalt, vor dem EinbauKorngrößenverteilung (TS EN 933-1:2012), LA (TS EN 1097-2:2020), MB (TS EN 933-9:2022), Plattigkeits- und Längenindex (BS 812-105.1:1989, BS 812-105.2:1990), gebrochene Körner (TS EN 933-5:2022), Rohdichte und Wasseraufnahme (TS EN 1097-6:2022)Je Quelle oder Halde; erneut bei ÄnderungGesteinskörnungsprüfung
Untergrund, Schüttung, untere Tragschicht und Tragschicht, jede LageVerdichtungsgrad (ASTM D1556/D1556M-24, TS 13872:2019+T1:2026), Wassergehalt (TS EN ISO 17892-1:2014+A1:2022), Evd (ASTM E2835-21(2026))Je Lage und LosSandersatzverfahren, LWD
Untergrund, wenn ein Profil benötigt wirdDCP (ASTM D6951/D6951M-18(2023))Nach Spezifikation oder Vorgabe der BauüberwachungBaugrunduntersuchung und DCP
Asphaltschichten, am EinbautagProbenahme (TS EN 12697-27:2018), Marshall-Probekörper (TS EN 12697-30:2019), Raumdichte (TS EN 12697-6:2020), Bindemittelgehalt (ASTM D2172/D2172M-26), Korngrößenverteilung (TS EN 12697-2:2025)Je Einbautag oder eingebaute MengeAsphaltbohrkerne und Mischgut
Asphaltschichten, nach dem EinbauBohrkernentnahme (TS EN 12697-27:2018), Dicke (TS EN 12697-36:2022), Raumdichte (TS EN 12697-6:2020), Makrotextur der Deckschicht (TS EN 13036-1:2010)Je LosAsphaltbohrkerne und Mischgut

Dokumentation und die häufigsten Lücken

Bei der Abnahme hilft ein Ergebnis nur, wenn es sich einer Schicht und einem Ort zuordnen lässt. Wir empfehlen:

  • einen Lageplan der Prüfstellen nach Stationierung und Achsabstand, für jede Lage aktuell gehalten;
  • im Voraus festgelegte Lose, die jeweils als Einheit abgenommen oder zurückgewiesen werden;
  • Wiederholungsprüfungen gesondert berichten und das ursprüngliche Ergebnis aufbewahren;
  • Original-PDF-Berichte nach Berichtsnummer ablegen und prüfen, wie im Leitfaden Prüfbericht lesen und verifizieren beschrieben.

Die Lücken, die wir bei Straßenbauprojekten am häufigsten sehen:

  • Eine veraltete Proctorreferenz, die monatelang verwendet wird, während sich das Entnahmematerial ändert; mergelige und tonige Materialien in Zypern wechseln auf kurzer Distanz.
  • Ungeprüft überbaute Lagen, die anschließend wieder aufgegraben werden müssen.
  • Versäumte Mischgutproben, weil der Einbautermin nicht mitgeteilt wurde.
  • Nicht markierte Bohrstellen oder Bohrkerne nur dort, wo die Oberfläche gut aussieht.

Wie wir Sie unterstützen

Wir planen das Prüfprogramm mit Ihnen anhand Ihrer Spezifikation und führen die Feld- und Laborprüfungen für jede Bauphase durch: Bodenlabor und Gesteinskörnungsprüfung für die Materialfreigabe, Sandersatzverfahren und LWD-Verdichtungskontrolle im Erdbau, DCP-Versuche für Untergrundprofile sowie Asphaltbohrkerne und Mischgutprüfung für die Asphaltschichten. Die Abnahmeentscheidung bleibt bei der Bauüberwachung und der zuständigen Behörde. Senden Sie uns Ihre Spezifikation und Ihren Bauablauf über unsere Kontaktseite.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Prüfungen braucht eine Straße?

Die Spezifikation legt die Häufigkeit für jede Prüfung und Schicht fest, meist je Fläche, Länge oder Menge. Wo sie schweigt, vermeidet ein vor Baubeginn mit der Bauüberwachung schriftlich vereinbarter Prüfplan spätere Streitigkeiten.

Darf die nächste Lage eingebaut werden, bevor die Ergebnisse vorliegen?

Das entscheidet die Bauüberwachung. LWD-Werte liegen vor Ort vor; Ergebnisse des Sandersatzverfahrens hängen vom ofengetrockneten Wassergehalt ab und dauern länger. Wer auf einer nicht abgenommenen Lage weiterbaut, riskiert, sie wieder aufgraben zu müssen.

Entnahmegrube oder Steinbruch haben gewechselt. Brauchen wir neue Prüfungen?

Ja. Klassifizierungs- und Proctorergebnisse gehören zu dem geprüften Material. Eine neue Bezugsquelle oder eine sichtbare Änderung von Farbe, Korngrößenverteilung oder Plastizität erfordert neue Eignungsprüfungen und eine neue Verdichtungsreferenz.

Wer entscheidet über einen Bereich, der die Anforderungen nicht erfüllt?

Wir berichten die Ergebnisse im Vergleich mit der Spezifikation. Ob ein Bereich nachverdichtet, ausgebaut oder mit einer anderen Maßnahme abgenommen wird, entscheiden die Bauüberwachung und die zuständige Behörde; liegt die Ursache in der Bemessung oder im Baugrund, ist die Beurteilung eines Geotechnik- oder Straßenbauingenieurs nötig.