Asphaltbohrkerne und Mischgutprüfung: Dicke, Dichte, Bindemittel

Einbau von Asphaltmischgut auf der Baustelle – DrillTech

Eine frisch eingebaute Asphaltdecke kann glatt, dunkel und gleichmäßig aussehen und dennoch die Spezifikation verfehlen. Schichtdicke, Dichte des eingebauten Materials, Bindemittelgehalt und Korngrößenverteilung der Gesteinskörnung lassen sich an der Oberfläche nicht beurteilen. Dieser Leitfaden behandelt die Prüfung von Asphaltbohrkernen und Asphaltmischgut, welche Angaben wir vom Bauunternehmen benötigen und wie die Ergebnisse berichtet werden.

Warum eine Straße, die gut aussieht, die Spezifikation trotzdem verfehlen kann

Für jede Asphaltschicht legt die Projektspezifikation eine Solldicke, einen geforderten Verdichtungsgrad, einen Soll-Bindemittelgehalt und Toleranzen für die Korngrößenverteilung fest. Eine gut aussehende Oberfläche belegt nichts davon. Schichtdicke und Verdichtung bestimmen maßgeblich die Dauerhaftigkeit und die Ermüdungslebensdauer einer Befestigung. In eine schlecht verdichtete Schicht dringt Wasser leichter ein. Ein Mischgut mit zu viel Bindemittel neigt bei hohen sommerlichen Oberflächentemperaturen eher zu Spurrinnen und Bindemittelanreicherungen an der Oberfläche, während ein Mischgut mit zu wenig Bindemittel trocken bleibt und zu Kornausbrüchen neigen kann. Diese Probleme zeigen sich meist erst, nachdem die Straße einige Jahreszeiten lang befahren wurde.

Meist werden wir nach Abschluss der Asphaltarbeiten hinzugezogen. In diesem Stadium ist die Bohrkernentnahme der praktikable Weg, um Binderschicht und Asphalttragschicht unter der Deckschicht zu erfassen.

Bohrkernentnahme und Messung der Schichtdicke

Die Bohrkerne werden mit einem wassergekühlten Diamant-Kernbohrgerät über die gesamte Dicke der Asphaltschichten gebohrt. Jede Entnahmestelle wird nach Stationierung oder örtlichem Bezugspunkt dokumentiert. Gebohrt wird erst, wenn die Schicht vollständig abgekühlt ist; ein aus warmem, weichem Asphalt gebohrter Kern ist verformt, und seine Messwerte sind unzuverlässig.

Im Labor wird jeder Bohrkern fotografiert, die Schichtgrenzen werden bestimmt, und die Dicke jeder Schicht wird gemäß TS EN 12697-36:2022 an mehreren Punkten am Umfang des Kerns gemessen. Deckschicht, Binderschicht und Asphalttragschicht werden getrennt angegeben. Ist der Schichtenverbund mangelhaft oder zerfällt eine Schicht beim Bohren, vermerken wir dies im Bericht. Die vollständige Liste der von uns durchgeführten Prüfungen finden Sie auf der Seite Asphaltbohrkerne und Mischgutprüfung.

Bohrkerndichte und Vergleichswert

Ein Bohrkern misst weder die Verdichtung noch den Hohlraumgehalt vor Ort. Gemessen wird die Dichte des Bohrkerns im Labor. Die Schichten werden mit der Säge voneinander getrennt und gereinigt, und die Raumdichte jedes Teilstücks wird gemäß TS EN 12697-6:2020 bestimmt. Das Verfahren wird passend zur Oberflächentextur und Hohlraumstruktur des Kerns gewählt und im Bericht angegeben.

Der Verdichtungsgrad (%) ist das Verhältnis dieser Raumdichte zu der in der Projektspezifikation festgelegten Bezugsdichte. Bezugswert kann zum Beispiel die Raumdichte von Marshall-Probekörpern sein, die im Labor aus demselben Mischgut verdichtet wurden. Die Spezifikation legt den Bezugswert und den Abnahmegrenzwert fest; wir vergleichen das Ergebnis damit. Der Hohlraumgehalt lässt sich nur berechnen, wenn zusätzlich die Rohdichte des Mischguts gesondert bestimmt wird.

Asphaltmischgut: Probenahme, Marshall-Probekörper, Bindemittelgehalt und Korngrößenverteilung

Um das Mischgut selbst zu prüfen, müssen Proben während des Einbaus entnommen werden. Mischgutproben werden gemäß TS EN 12697-27:2018 an der Mischanlage, vom Lkw oder am Fertiger entnommen. Die Probe muss repräsentativ sein: Material vom Rand eines entmischten Haufens oder nur von der Oberseite einer Lkw-Ladung repräsentiert das Mischgut nicht. Ort, Uhrzeit und Lkw-Angaben werden dokumentiert. Eine am Einbautag versäumte Probe kann nicht nachgeholt werden; die Probenahme muss daher mit dem Einbauprogramm abgestimmt werden.

Aus diesen Proben stellen wir mit einem Schlagverdichtungsgerät gemäß TS EN 12697-30:2019 Marshall-Probekörper her; Schlagzahl und Verdichtungstemperatur richten sich nach der Spezifikation und der Mischgutzusammensetzung. Ihre Raumdichte, ebenfalls nach TS EN 12697-6:2020 bestimmt, kann als Bezugswert für die Bohrkerndichten dienen. Der Bindemittelgehalt wird durch Extraktion im Rückflussverfahren gemäß ASTM D2172/D2172M-26 bestimmt: Das Bindemittel wird von der Gesteinskörnung gelöst, und sein Anteil wird aus dem Massenverlust berechnet. Die Korngrößenverteilung der rückgewonnenen Gesteinskörnung wird gemäß TS EN 12697-2:2025 bestimmt. Beide Ergebnisse werden mit der freigegebenen Mischgutrezeptur und den Toleranzen der Spezifikation verglichen. Wurde keine Mischgutprobe entnommen, können diese Prüfungen an Bohrkernen erfolgen; ein Bohrkern enthält jedoch nur begrenzt Material, und bei einer dünnen Schicht können mehrere Kerne aus demselben Bereich nötig sein.

Was das Bauunternehmen vorbereiten muss

  • Verkehrssicherung: Auf Straßen unter Verkehr stellen das Bauunternehmen oder die zuständige Behörde Beschilderung, Leitkegel und bei Bedarf einen Sicherungsposten. Unser Team bohrt nicht ohne gesicherten Arbeitsbereich.
  • Markierte Bohrstellen: im Voraus mit der Bauüberwachung abgestimmt oder durch die Spezifikation festgelegt und nach Stationierung oder örtlichem Bezugspunkt markiert. Bohrkerne, die nur dort entnommen werden, wo die Oberfläche gut aussieht, sind für die Straße nicht repräsentativ.
  • Projektangaben: Schichtdicken, Mischgutart, die freigegebene Mischgutrezeptur, die Bezugsdichte und die Abnahmegrenzwerte.
  • Zugang für die Probenahme: Wenn Proben an der Mischanlage oder am Fertiger entnommen werden sollen, teilen Sie uns Einbaudatum und -uhrzeit rechtzeitig mit.
  • Verfüllen der Bohrlöcher: Die Löcher sollten mit einem von der Spezifikation oder der Bauüberwachung zugelassenen Material verfüllt und verdichtet werden; durch ein offenes Loch dringt Wasser in die Schichten ein. Klären Sie vor Arbeitsbeginn, wer die Löcher verfüllt.

Wie die Ergebnisse berichtet werden

Für jede Schicht erstellen wir einen eigenen Bohrkernbericht: Deckschicht, Binderschicht und Asphalttragschicht. Er enthält die Entnahmestellen nach Stationierung oder örtlichem Bezugspunkt, die gemessenen Dicken, Fotos der Bohrkerne sowie einen Vergleich von Dicke und Verdichtungsgrad mit den Projektwerten. Die übrigen Prüfungen werden als gesonderte Prüfberichte mit Verweis auf die jeweilige Norm ausgestellt. Jeder Bericht trägt eine Berichtsnummer, einen QR-Code und einen Verifizierungscode.

PrüfgrößeProbeNormVerglichen mit
SchichtdickeBohrkernTS EN 12697-36:2022Solldicke und Toleranz
RaumdichteBohrkern, Marshall-ProbekörperTS EN 12697-6:2020Bezugsdichte gemäß Spezifikation (Verdichtungsgrad, %)
ProbenahmeAsphaltmischgut (Mischanlage, Lkw, Fertiger)TS EN 12697-27:2018Repräsentative Probe für die weiteren Prüfungen
Marshall-ProbekörperAsphaltmischgutTS EN 12697-30:2019Bezugsdichte, sofern die Spezifikation sie vorsieht
BindemittelgehaltAsphaltmischgut oder BohrkernASTM D2172/D2172M-26Mischgutrezeptur und Toleranz
KorngrößenverteilungRückgewonnene GesteinskörnungTS EN 12697-2:2025Mischgutrezeptur und Toleranz

Die Bearbeitungszeit hängt von der Probenanzahl und dem Prüfumfang ab. Die Dicke kann kurz nach Eingang der Bohrkerne gemessen werden; Dichtebestimmung und Extraktion dauern wegen Probenvorbereitung und Trocknung länger. Den Liefertermin bestätigen wir vor Arbeitsbeginn. Wo Bereiche nicht konform sind, können wir auf Anfrage nach Sanierungsarbeiten erneut Bohrkerne entnehmen und prüfen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange muss neuer Asphalt vor der Bohrkernentnahme abkühlen?

Die Schicht muss vollständig abgekühlt und fest sein. Das hängt von der Lufttemperatur und der Schichtdicke ab; eine im Sommer eingebaute dicke Schicht braucht länger. Den richtigen Zeitpunkt beurteilen wir gemeinsam mit Ihnen vor Ort; ist die Straße bereits für den Verkehr freigegeben, erfordert die Bohrkernentnahme eine Verkehrssicherung.

Was geschieht, wenn die Bohrkerndichte unter der Spezifikation liegt?

Wir vergleichen das Ergebnis mit der Bezugsdichte und dem Abnahmegrenzwert der Spezifikation und berichten es. Häufig werden zusätzliche Bohrkerne entnommen, um die Ausdehnung des nicht konformen Bereichs einzugrenzen. Ob Sanierungsarbeiten oder andere Maßnahmen nötig sind, entscheiden die zuständige Behörde und die Bauüberwachung.

Probe von der Mischanlage oder Bohrkern: Was ist für den Bindemittelgehalt besser?

Eine während des Einbaus entnommene Mischgutprobe liefert mehr Material und ermöglicht zusätzlich die Herstellung von Marshall-Probekörpern. Ein Bohrkern repräsentiert das tatsächlich eingebaute Mischgut. Richten Sie sich zunächst nach den Anforderungen der Spezifikation; planen Sie nach Möglichkeit beides ein.

Umfang und Zeitplan können wir gemeinsam mit Ihnen anhand Ihrer Spezifikation planen. Die Prüfungen sind auf unserer Leistungsseite Asphaltbohrkerne und Mischgutprüfung aufgeführt; senden Sie uns Ihre Einbautermine und Projektangaben über unsere Kontaktseite.